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Projekte  -  Hausplakette

14. November 2017

Vortrag: "Carl-Alexander von

Sachsen-Weimar-Eisenach -

standesbewusster Aristokrat

und toleranter Weltbürger"

Referentin: Dipl. phil. Jutta Krauß,

Wartburg-Stiftung Eisenach 

Ort: Hotel "Gockenhof" Eisenach

Zeit: 19 Uhr

14. Dezember 2017

Vorweihnachtliches Beisammensein

der Mitglieder

Ort: Hotel "Glockenhof" Eisenach

Zeit: 18 Uhr

„Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr“ lautet das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals

Wir haben uns in diesem Jahr mit der Verleihung der Hausplakette für ein Gebäude entschieden, das in vielerlei Hinsicht passend ist: es befindet sich an einer berühmten Handelsstraße, es ist ein Beispiel für vorbildliche Sanierung und die Familiengeschichte  ist bestes Zeugnis einer erfolgreichen Handelstradition.

Es geht uns heute nicht nur um die baugeschichtlichen Werte dieses Hauses, auf die wir auch noch zu sprechen kommen - die besondere Würdigung gilt zunächst der ältesten und am längsten dienenden aktiven Händlerin in Eisenach, Frau Barbara Kneise.

Seit 1948 betreibt sie anfangs mit ihrer Tante Frau Marianne Bohl, später als alleinige Geschäftsführerin einen gut gehenden Spielwaren- und Kunstgewerbehandel.

In zwei Pressemitteilungen aus dem Jahre 1930 wird das 75 jährige Bestehen der Firma Eduard Bohl gewürdigt.

Urkundlich belegt laut dieser Meldung ist, dass sich dieses Geschäftsgrundstück bereits seit 250 Jahren im Besitz der Familie Bohl befindet. Die Vorfahren (die bis in das Jahr 1660 zurückreichen) waren Nadlermeister und betrieben wie damals üblich nebenher  Landwirtschaft. Noch heute ist erkennbar, wo sich die große Toreinfahrt der 3-flügeligen Hofanlage befand.

Aus dem Handwerk entwickelte sich allmählich ein Gewerbe mit Ladenverkauf. 1855 gründete Eduard Bohl die Firma, 1883 erfolgte der gerichtliche Handelseintrag. Und auch der Vater von E. Bohl – Adam Bohl hatte bereits einen Stand auf dem Markt und verkaufte Zinnfiguren, belegt durch einen netten Spruch:

„Wer ist der Mann in dieser Stadt,

der bleierne Soldaten hat?

Das ist der Adam Bohl,

dort könn mer se gehol.“  (Eisenacher Tagespost, 1930)

 

1888 übernahm der älteste Sohn Franz Georg Bohl die Geschäfte und baute das Haus nach neuesten Geschäftserkenntnissen um. Grundstock bildeten weiterhin Spielwaren, hinzu kamen Galanterie- und Lederwaren. Zu Berühmtheit des größten Spielwarenladens von Eisenach verhalf die Tochter Maria Bohl durch ihre Puppenabteilung und die dazu arrangierten Ausstellungen.

1920 musste durch den plötzlichen Tod von Franz Georg Bohl sein ältester Sohn Carl Bohl die Firma übernehmen. Der gerade aus China zurückgekehrte Prokurist hatte das nicht so geplant, führte aber die Geschäfte erfolgreich weiter, richtete auch noch ein Sportgeschäft ein. Die Spielwarenabteilung soll einem Pavillon auf der Leipziger Messe geglichen haben, was  Auswahl und Qualität  der Produkte betraf. Sie können das gern nachlesen, in dem Artikel der „Eisenacher Tagespost“ ist das wunderbar beschrieben.

 

1948  trat dann Frau Barbara Kneise in das Geschäft ihres Vaters ein.

Der 2. Weltkrieg verhinderte eine weitere Expansion der Firma und damit verbundene große Umbauvorhaben. Zum Glück, sagt heute Frau Kneise, denn sonst wären sie wie die meisten anderen Geschäfte in den 80er Jahren durch die HO übernommen worden. Durch die Kombinatsbildungen gab es nur noch wenige Kunsthandwerksbetriebe und auch nur wenig zu verkaufen durch die 80:20 Prozent-Regelung der Warenzuteilungen (staatliche zu privaten Geschäften)

In diesen schwierigen Zeiten hat Frau Kneise als eine der wenigen Einzelhändler Ihr Geschäft halten können nicht zu letzt durch ihr couragiertes Auftreten vor allem durch ihr kaufmännisches Talent. Die Bausubstanz konnte dank des hohen persönlichen Einsatzes, besonders durch Ulrich Kneise mit den 1985 begonnenen Sicherungs- und Sanierungsarbeiten vor dem Verfall gerettet werden.

Viele Interieurs sind noch heute im Hause erhalten geblieben, so zum Beispiel die Innentüren von 1706. Besonders beeindruckend ist, dass die Nutzungen und damit verbundene bauliche Veränderungen über Jahrhunderte hinweg ablesbar sind. Stets sind die Eigentümer mit dem nötigen Respekt vor der handwerklichen Qualität der vorhandenen Bausubstanz an die Umbauarbeiten herangegangen. Seit den 90er Jahren werden die Bauarbeiten fachmännisch betreut durch Herrn S. Gärtner, Thüringer Denkmalpflege- und Sanierungs-GmbH.

1989 kamen mit der Marktwirtschaft Chance und Risiko für die Geschäfte der Eisenacher Innenstadt. Familie Kneise ist nicht der Versuchung erlegen, das Gebäude in 1a Lage zu vergolden. die Familie leistete sich den Luxus, eine Fotogalerie im EG der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Viele Eisenacher wussten das zu schätzen und partizipierten von diesem großzügigen und kostenlosen Kulturangebot. Wir als Verein wissen, wie schwierig es geworden ist, den finanziellen Rahmen für ein gemeinnütziges Engagement zu sichern, dass es ohne Fördergelder nahezu unmöglich geworden ist.

In das Haus Bohl wird man nicht durch vollautomatische Klimaanlagen in die Geschäfte hinein gesogen, sondern hier tritt man ein, ganz bewusst und man wird neugierig auf die Geschichte des Hauses. Das geschulte Auge kann z.B. die Ansätze  des früheren Zwischengeschosses erkennen. Bevor wir nun Gelegenheit haben, uns hier im Hause umzusehen, möchten wir Dank und Anerkennung für das Geleistete aussprechen.

Wir wünschen Ihnen liebe Frau Kneise noch viele glückliche Jahre bei bester Gesundheit in diesem wunderschönen Haus und gut gehende Geschäfte, dir lieber Ulli wünschen wir die notwendigen finanziellen Mittel zur Umsetzung deiner neuen Pläne, wir sind sicher, dass dieses Haus weiterhin das Stadtbild und kulturelle Leben von Eisenach bereichern wird.

Förderkreis zur Erhaltung Eisenachs e.V.
 
Lutherstraße 28
99817 Eisenach
 
E-Mail: info@fzee.de
 
Bankverbindung:
Wartburg-Sparkasse Eisenach
IBAN: DE 30 8405 5050 0000 0393 49
BIC: HELADEF1WAK
 
 
 
Freundeskreis „KarlsPlatzSchaffen“

 
info@karlsplatzschaffen.de
www.karlsplatzschaffen.de
 
Wir bitten um Spenden unter dem Stichwort „Spende Karlsplatz“:
 
Wartburg-Sparkasse Eisenach
IBAN: DE 57 8405 5050 0000 0020 03
BIC: HELADEF1WAK
Verwendungszweck:
18000 VW
 
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